1.Tag – Sinsheim nach Aubréville

27.8.2005 – von Sinsheim über Saarbrücken, Metz nach Verdun und Aubréville

Im Hotel Bär lässt es sich trotz der nahen Hauptstraße gut schlafen. Wir halten es mit der 7-8-9 Regel, um 7 Aufstehen, um 8 Frühstücken und um 9 Losfahren. Nach dem Frühstücksbuffet werden die Fahrzeuge bei recht frischen Temperaturen aus der Tiefgarage geholt und unsere Kolonne setzt sich mit Rücksicht auf Rudis alte Harley langsam Richtung Frankreich in Bewegung. Bis Metz geht es über die Autobahn, Bernd mit seiner LT vorne weg, Peter macht mit dem Trike hinten dicht. Wir sind früh dran und machen beim Grenzübertritt noch eine Pause. Das nächste Etappenziel ist Verdun, wo Kurt aus Hamburg mit seiner Goldwing noch zu uns stoßen will.

Kurz vor dem Ort Verdun geht es rechts ab auf die Schlachtfelder des ersten Weltkriegs. Man folgt sinnvollerweise den Wegweisern nach „Fort Douaumont“ und landet dann vor dem Museum mit seinen davor ausgestellten Geschützen und Geschossen. Nach zwanzig Minuten warten am Museum kommt Kurt auch schon. Einige von uns besuchen die Ausstellung, andere, die sie schon kennen, passen draußen auf die Motorräder und das Gepäck auf.

Die Besichtigung des Museums ist für den interessierten Verdun-Besucher ein Muss. Hier wird zwar nur im Ansatz der Wahnsinn eines fast vierjährigen Stellungskrieges in Verbindung mit einer gewaltigen Materialschlacht deutlich, aber man sollte es auf sich einwirken lassen, als Vorbereitung auf die Gedenkstätte und Gräberfelder die noch kommen werden. Beim Anblick der Gräberfelder am Hauptdenkmal wird man still und nachdenklich und fragt sich Warum? und Wofür eigentlich das Ganze. Hierzu gab es mal eine Serie über das Deutsche Kaiserreich insbesondere über Wilhelm II. im Fernsehen. Ich kann nur jedem empfehlen das anzusehen, falls es mal wieder gesendet wird, und auf sich einwirken zu lassen. Das Attentat von Sarajewo war nur der auslösende Funke für diesen Krieg. Die Ursachen liegen viel tiefer und weiter zurück. So unter anderem in der Verletzung der grenzenlosen Eitelkeit des letzten Deutschen Kaisers durch seinen britischen Teil der Familie und durch Frankreich.

Nach dem Museum besuchen wir noch die Nekropole, die als Mahnmal bereits von weitem sichtbar ist. Dieser gewaltige Bau wurde als Grab- und Erinnerungsstätte errichtet. Die Katakomben sind mit den Knochen hier gefallener Soldaten gefüllt. Ein Blick durch die Fenster ist nichts für schwache Nerven. Innen ist alles in rotes Licht getaucht das durch die Fenster fällt. Eine recht bedrückende Stimmung herrscht hier. Nach einem Rundgang durch die Außenanlagen verlassen wir diesen Ort.

Danach fahren wir kurz zum nahe gelegenen Fort Douaumont. Allerdings sind die Eintrittspreise für die Besichtigung der inneren Anlagen gesalzen, und so schenken wir uns die Besichtigung der Kasematten und klettern dafür auf den Resten des Forts ein wenig herum und bekommen auch so einen Eindruck von der Anlage, die inzwischen fast vollständig Überwachsen ist.

Kasematten werden wir in der Normandie noch genug zu sehen bekommen. Es ist relativ warm und die Kletterei in Motorradklamotten ist nicht angenehm. Trotzdem ist es beeindruckend. Die von Menschen gemachte Mondlandschaft ist auch fast ein Jahrhundert danach noch immer zu sehen – auf wenn jetzt wieder überall Wald steht. Die Franzosen haben in der Gegend allerdings noch immer mit den Hinterlassenschaften zu kämpfen und so sollte man es tunlichst unterlassen abseits von Wegen durch den Wald zu stiefeln. Blindgänger und Munition liegt hier noch immer und der Stacheldraht ist auch allgegenwärtig. Viele Schilder warnen ausdrücklich vor dem Betreten der Flächen abseits der Wege.

Unser heutiges Ziel Aubréville liegt nur ein paar Kilometer entfernt. Hier hat Bernd ein Hotel ausfindig gemacht, das er gerne testen will. Kurze Zeit später sitzen wir vor dem Hotel du Commerce, die Mopeds stehen im Schuppen und ein Bier steht vor uns. Für uns ist Halbpension gebucht, so gibt es ein einfaches 4-Gänge-Menu, typisch französische ländliche Küche. Dazu sitzen wir an einem langen Tisch mit Stoffservietten und Stoffsets, billige Gläser aber einen guten Vin Rouge, Couvee à maison. Zuerst kommt eine köstliche Pilzsuppe auf den Tisch, und zwar so reichlich, dass man sich daran allein schon satt essen könnte. Wir schaffen aber nur etwa zwei drittel der aufgetischten Menge. Der nächste Gang ist Seefisch in einer Gemüsesauce mit Kapern, sehr lecker. Dann kommt ein in Wein gekochtes Rindfleisch, vermutlich Rinderbrust und zum Nachtisch ein sehr leckeres nicht zu süßes Mousse au chocolat aus dem Supermarkt im Plastikbecher. Das ist für französische Verhältnisse preiswert, bezahle ich doch für das halbe Zimmer, Halbpension inkl. Frühstück und sieben Bier von Gestern Abend (meine Runde, nicht ich allein!) nur €55,- . Da kann man nicht meckern.

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Seite 2 Reiseroute, Seite 3 Bilder vom Tag

2 Antworten auf „1.Tag – Sinsheim nach Aubréville“

  1. Sehr schöner Bericht 🙂
    Für dieses Jahr plane ich auch eine Motorradtour. Dann werde ich diese ebenfalls dokumentieren und auch meinem Blog veröffentlichen.

    Viele Grüße
    Andreas

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