6.Tag – St Mere Eglise

01.9.2005 – St Mere Eglise, der längste Tag

Heute morgen ist es merklich kühler als gestern und der Himmel ist durchgehend bedeckt als wir Punkt 09:30 vom Hof rollen. Aber bevor wir aufbrechen besuchen wir den alten Sherman Panzer, der hoch über der Stadt als Denkmal aufgestellt ist. Wir bringen die Maschinen in Pose und füllen die Speicherkarten unserer Kameras mit weiteren Bildern. Von hier oben hat man einen guten Blick über die Stadt und die Reste des provisorischen Landungshafen.

Es geht auf dem schnellsten und direkten Weg, teils über die Autobahn, nach St. Mere Eglise. Wer den Film ‚Der längste Tag‘ gesehen hat, wird sich an den am Kirchturm über dem Dorfplatz hängenden Fallschirmjäger erinnern, der durch das Glockengeläut fast zum Wahnsinn getrieben wurde. Es hat ihn wirklich gegeben, und seitdem hängt eine entsprechende Puppe in voller Montur mit dem Fallschirm am Kirchturm. So ist dieser Ort durch den Film zur Touristenattraktion geworden. Hier steht außerdem auch das Museum für die Luftlandetruppen, das wir später dann auch besuchen.

Auf dem Kirchplatz ist gerade Wochenmarkt, daher sind spektakuläre Fotos mit Mopeds vor hängendem Fallschirmjäger leider unmöglich. Dafür ersticken wir fast im Qualm zweier Bratwurststände. Es riecht wie auf einem Deutschen Campingplatz zur Eröffnung der Grillsaison. Ich lasse mich hinreißen (auf Empfehlung der Gruppe) eine Bratwurst zu essen und stelle fest, daß in Thüringen schon Metzger wegen geringerer Vergehen hingerichtet wurden. Hier gibt es alles: vom Fisch über Billig-Textilien (quietschbunte BHs und Stringtangas), jegliche Form von Tinnef und Spielzeug bis zu Kleinmöbeln.

Wir gehen erst mal in das Luftlandemuseum, das sehr beeindruckend ist. In einer Halle, deren Dach einem Fallschirm nachempfunden ist, ist ein kompletter Lastensegler ausgestellt, wie sie zu hunderten während der Luftlandeoperation am D-Day zum Einsatz kamen. Diese primitiven Kisten aus Rohrgestellen und Persenning waren entweder mit bis zu 20 Soldaten oder mit einem Jeep und der dazugehörigen Besatzung beladen. Wo sie im Landeanflug waren, mussten sie auch runter, weil man bei einem solchen Lastensegler kaum von Flugeigenschaften sprechen kann. So gingen viele dieser Geräte in den Panzersperren, Gewässern oder in Bäumen verloren und mit ihnen starben die Besatzungen bevor sie überhaupt festen Boden unter den Füßen hatten. In der anderen Halle ist eine komplette C47 ausgestellt. Das war das 2-motorige Propellerflugzeug, quasi der Standard LKW der amerikanischen Luftwaffe, das Fallschirmjäger zur Absprungzone befördert und die Lastensegler gezogen hat. Dazu sind eine Unmenge von Ausrüstungsgegenständen und Waffen, sowie von alten Kämpfern oder Hinterbliebenen zur Verfügung gestellte Erinnerungsstücke zu sehen. Auch ein Foto von dem ‚echten‘ Fallschirmspringer, der tatsächlich 36 Stunden am Turm gehangen hat.

Wir besuchen anschließend noch die Geschützstellungen von Azeville und Chrisbek und hören uns während einer Führung durch die Bunkeranlagen die Geschichte dieser Stellungen an. Ein sehr interessante und empfehlenswerte Führung, die mit einem 20 minütigen Video eröffnet wird, in dem Zeitzeugen zu Wort kommen. Anschließend bekommen wir eine gedruckte deutsche Übersetzung der Führung in die Hand gedrückt, da man hier nur französisch spricht. So fällt es uns leicht den Ausführungen zu folgen.

Dann geht es weiter an die Küste, wo wir noch diverse Gedenkstätten anlaufen, unter anderem auch die für die französischen Einheiten unter General Leclerc. Hier wurde zum 60. Jahrestag eine beeindruckende Stahlskulptur im Tidenbereich am Strand errichtet.

Wir machen noch ein paar Moped-Fotos vor den ausgestellten Panzern, dann geht es auf kürzestem Weg zurück nach Arromanche wo wir anfangen die morgige Abreise vorzubereiten. Weitere Gedenkstätten und Ausstellungen lassen wir aus, obwohl noch Zeit ist. Hier findet man alle paar Meter irgendeine Ausstellung oder Gedenkstätte aber unser Bedarf ist doch ein wenig gesättigt. Wer sich für das Thema interessiert sollte mehr Zeit mitbringen und kann so täglich eine andere Ecke erkunden.

Heute abend essen wir nun endlich in dem von Michael so gepriesenen Restaurant La Marine, übrigens in sämtlichen Reiseführer als Haus der gehobenen Cuisine gepriesen. Der empfangende Ober schätzt uns kurz ab und platziert uns dann an einem ovalen Tisch und verteilt die Karten. Der Tisch liegt unmittelbar neben der Tür zur Küche, was mit zunehmendem Betrieb auch zu einer zunehmenden Geräuschkulisse führt. Jedes mal wenn einer der Kellner diese Schwingtür passiert, gibt es ein verhältnismäßig deutliches Doppelgeräusch: „Rums-Bums“, was uns dann auch während des gesamten Essens begleitet.

Das Essen ist zwar köstlich und Fischfans kommen auf ihre Kosten, aber mit einem deutlichen Preisaufschlag für Ambiente und Aussicht versehen. Die Flaschen Wein fangen irgendwo bei 20,- € an mit offenem Ende nach oben. Wir bestellen Cidre zum Essen, zum Freudenhauspreis von 12,- € die Flasche. Sehr zum Missfallen des Kellners. Unsere Mahlzeit wird dann allerdings flott und zusammenhängend serviert und ist von sehr guter Qualität. Das Publikum, das sonst noch hier verkehrt, gehört den gehobeneren Kreisen Frankreichs und der Touristenländer an. Es werden viel Meeresfrüchte gegessen. Diese kommen dekorativ aufgetürmt auf einer Platte auf den Tisch und fangen in der einfachsten Version bei 46,- € an. Dazu wird entweder Champagner oder Weißwein getrunken. Unsere Zeche zu siebt beträgt 181,- €, was man auf die andere Arte locker zu zweit oder auch alleine verbraten kann. Anschließend machen wir noch einen kurzen Gang am Strand entlang und gehen nach einem Absackerbier vor dem Hotel zeitig schlafen. Morgen sind wieder lange Strecken zu fahren.

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