7.Tag – Arromanche nach St. Menehould

02.9.2005 – Arromanche – Paris – St. Menehould

Wir fahren pünktlich um 9:00 vom Hof, daddeln ein Stück die Küste entlang, biegen ins Binnenland ab und fahren vor Caen auf die Autobahn. Heute haben wir ca. 500 km vor der Brust, und ich höre noch so mit einem Ohr kurz vorm Abfahren etwas von: „Kurz mal nach Paris rein, liegt ja auf dem Weg. Rudi will zu einem Harley Händler ein T-shirt kaufen. Ist auch ganz dicht an der Autobahn“. Ich denke noch: „Na ja, die waren schon mal hier, die wissen sicherlich was sie tun“.

Wir kommen nach flotter Autobahnfahrt (so alle 20 km eine Mautstelle) in die Nähe von Paris, die Straßen haben statt zwei plötzlich drei bis fünf Spuren und alle sind gerammelt voll. Dann geht es auf die berühmt berüchtigte Peripherique, auch bekannt als der größte Parkplatz Nordfrankreichs. Wir fahren durch einen Tunnel. Bei dieser Gelegenheit verabschieden sich die Satelliten für das Navi und die nächste Ausfahrt ist unser, weil es diese eh sein sollte (oder vielleicht doch lieber die nächste?) Was jetzt kommt kann man nur so beschreiben: „Dantes Inferno ist dagegen eine Gutenachtgeschichte für kleine Mädchen“. Die verdammten dieser Hölle sind verurteilt in Paris Auto zu fahren und die mit den besonders großen Sünden müssen zur Strafe auf Motorrädern über die Peripherique rasen.

Es war eine Ausfahrt zu früh und wir landen am Ende eines Gigastaus wegen dem Bau einer neuen Straßenbahn und schaffen es noch gerade rechtzeitig über eine total verstopfte Kreuzung irgendwohin auszuweichen wo Platz zu sein scheint, damit wir nicht hoffnungslos in diesem Stau stecken bleiben. Die Satelliten sind auch wieder da und lotsen uns über diese Ausweichstrecke. Aus den angekündigten 800 m Entfernung von der Autobahn werden so einige Kilometer. Ich bewundere bei dieser Kurverei Peter mit seinem Trike, der es immer wieder schafft, den Anschluss zur Gruppe zu halten oder kurzfristig wieder herzustellen.

Nach einer halben Stunde erreichen wir dank Navi tatsächlich den Harley Händler, wo sich Rudi und Hans dann div. T-shirts zu Freudenhauspreisen vorlegen lassen. Nachdem sich die Freaks dann endlich entschieden haben geht es auf dem kürzesten Weg zurück auf die Autobahn und der ist tatsächlich nur etwa die versprochenen 800 m lang. Nur dort geht nix mehr.

Wenn Du glaubst, Du hast schon alles gesehen und kannst außerdem auch noch leidlich Moped fahren. Vergiss es! Die wahren Künstler kommen aus Paris. Zwischen den äußersten beiden Spuren brettern die Verdammten dieser Hölle auf zwei Rädern mit höchster Fahrt zwischen den Autos und LKW hindurch. Die Autofahrer kennen das offensichtlich und lassen ein Gasse zwischen den Fahrzeugen. Nur unwissende Touristen tragen zur Erhöhung der Höllenqualen dieser Verdammten bei, indem sie fett und breit auf Ihrer Spur bleiben. Es ist alles unterwegs was man sich so vorstellen kann. vom klapprigen Roller bis zur BMW-C1. vom alten Ratbike bis zum Supermoto. Die Uniform der Bewohner dieser Zweiradhölle sind Jeans, T-Shirt und Helm. Schutzkleidung Fehlanzeige. Sie würde bei einem Unfall auch nur unnötig die Leiden verlängern. Der Gipfel ist ein Supermoto-Fahrer, der statt mit der Hupe mit bei 10.000 U/min kreischendem Motor und Brülltüten auf sich aufmerksam macht. Ja, Ja, Loud pipes save lives.

Wir lassen diese Wahnsinnigen fahren und außerdem alle Hoffnung noch mal schnell voranzukommen. Es ist schwül-warm und das Ölthermometer von Hans‘ Harley zeigt 260 Grad Fahrenheit. Ich bin froh als sich der Stau langsam mit zunehmender Entfernung von der City verdünnisiert. Immerhin kann ich jetzt sagen ich sei in Paris gewesen und habe den Eiffelturm gesehen, wenn auch nur aus der Ferne.

Endlich können wir auf den weniger befahrenen Maut-Autobahnen wieder Gas geben. Wir sind alle etwas fertig als wir im Hotel ankommen und die Motorräder abgestellt und geduscht haben (Die Fahrer! nicht die Mopeds!). Unsere Fahrzeuge finden auf abgesperrten Parkplatz hinter dem Hotel ihren Platz für die Nacht. Dann zischt das erste kalte Bier durch die Kehle und spült auch innen den Staub der Strecke weg.

Das Hotel ist bekannt für seine „Pied a cochon“. Wie man mir versichert, eine große Schüssel voller gekochter Schweinsfüße. Mir wird schlecht bei dem Gedanken und ich verzichte leichten Herzens auf diese kulinarische Erfahrung. Wir haben den Abend mit ein paar großen Bieren angefangen und mit einem einfachen aber köstlichen Menue fortgesetzt (Avocadocreme bzw. Avocadopudding mit Krabben, Filet Mignon vom Schwein, Creme bruleé) das Ganze zusammen mit einer köstlichen Flasche Coté du Rhone. Zum Abschluss an der Bar noch einen vergleichsweise preiswerten Calvados. Ein Teil unserer Truppe hat allerdings nicht im Restaurant gegessen, sondern vorne in der Bar. Dort gibt es für den schmaleren Geldbeutel recht ordentliche Menüs zu fairen Preisen.

Dermaßen gestärkt kann man auch in einem Fensterlosen Zimmer unterm Dach schlafen. Das ist wirklich kein Witz: in der Decke ist eine Gitterkonstruktion á la Verließ. Darüber befindet sich ein elektrisch betätigtes Velux-Fenster in einem etwa 1,50 m tiefen Schacht. Das Zimmer liegt am Ende des Ganges. „Heiliger St. Florian beschütze uns“ kann man da nur ausrufen. Hoffentlich brennt’s nicht.

Nach dem üblichen Weißbrot/Croissant/Cafe au lait Frühstück satteln wir die Hühner (natürlich die Mopeds!), nachdem wir am Tresen die Rechnungen auseinander dividiert haben. Unsere T-shirt Käufer haben es doch tatsächlich fertig gebracht ohne Runde davon zukommen! Ich verabschiede mich bereits vor der Abfahrt von allen, weil ich bald nach Verdun abbiegen werde. Einladungen werden ausgesprochen und dann geht es ab auf die N3 Richtung Verdun. Kurz darauf verabschiede ich mich in einem Kreisverkehr, winke kurz und biege eine Ausfahrt später ab als die Anderen. Dann bin ich wieder allein unterwegs Richtung Berlin. Knapp 1000km non-stop liegen vor mir.

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