Norwegen – ein Rückblick

Wenn man wieder zu Hause ist, die Bilder sichtet und die Track Aufzeichnungen ausliest und aufbereitet kommen einem unwillkürlich Gedanken und Erinnerungen an die eben abgeschlossene Reise. Solange die noch frisch sind mache ich mich daran das Erlebte nieder zuschreiben um später selbst mal wieder zu lesen was man erlebt hat und wo man war. Nach Jahren verblasst das und wenn ich so durch meine Berichte stöbere ist alles wieder da.

Wir haben diese Reise ja auch nicht zum reinen Vergnügen unternommen. Wir haben Ausrüstung getestet, Berichte darüber geschrieben und Unterkünfte erkundet. Vielleicht sind die so gewonnen Informationen für den einen oder anderen Norwegenfahrer von Nutzen, wenn er selber eine Tour durch das Land plant. Ich finde es immer hilfreich Berichte anderer Leute zu lesen und aus deren Erfahrungen nutzen zu ziehen. Ich hoffe auf diesem Weg meinen Teil dazu beizutragen.

Unsere Tour war sehr ambitioniert. Über 4000km in 14 Tagen ohne Pausentag sind doch schon etwas stramm. Wenn ich die Tour noch mal machen würde und die Zeit sowie das nötige Geld hätte, sollte man mindestens 3 Wochen einplanen und Station in Furøy, Tråsåvika, Solvang und Oslo machen um die Sehenswürdigkeiten der Umgebung an mehreren Tagen zu erkunden. Unsere anderen Stationen laden auch alle zum verweilen ein. Wir haben uns überall willkommen gefühlt und würden jederzeit die besuchten Plätze erneut aufsuchen.

Die Tour kann man auch runter laden und als Vorlage für eigene Touren nutzen:
Tour als Garmin .gdb runter laden
Tour als Universal .gpx runter laden

Apropos Geld: Norwegen ist teuer – sehr teuer. Es gehört zu den teuersten Reiseländern der Welt. Ein Liter Benzin kostet rund 2€, die Mehrwertsteuer beträgt 25% (kann man sich auf der Fähre Kiel – Oslo bei Einkäufen in Norwegen erstatten lassen) und die Preise für Lebensmittel sind recht hoch. Wer Essen gehen will sollte mindestens mit dem doppelten Preis rechnen, den man bei uns gewohnt ist. Alkohol ist exorbitant teuer. Eine Dose Bier kann man für 7-10€ erstehen, je nach Sorte und Ort. Selbstversorger und Angler (wenn sie was fangen) kommen besser weg aber auch hier sollte man mit mindestens 500€/Woche kalkulieren. Die Kronen rinnen nur so durch die Finger.

Eine weitere Spezialität in Norwegen sind die Zahlungsmittel. Fast jeder Betrag wird mit der Kreditkarte + Pin bezahlt. An den Tankstellen werden unsere deutschen Kreditkarten mit Unterschrift akzeptiert. Manche Terminals stellen sich sogar automatisch auf die richtige Sprache um. Maestro/EC Karten der Sparkasse wurden an Geldautomaten und Automatentankstellen problemlos akzeptiert. Pin nicht vergessen! Ein Umtausch von Euro in NOK ist hingegen nur auf der Fähre möglich. Es ist uns im Land nicht gelungen irgendwo Euro zu wechseln. Somit ist eine Kreditkarte einfach Pflicht.

Beim Wetter sollte man als Motorradfahrer auf alles vorbereitet sein. Am besten Klamotten im Zwiebelprinzip dabei haben. Wir sind an bestimmten Tagen mit bis zu 5 Schichten gefahren. Selbst Anfang Juli hatten wir Temperaturen bis 5° bei Regen und Gegenwind in der Höhenlage. Auch in den Tunneln ist es im Hochsommer oft sehr kalt. Anderseits sollte man nicht nur Wintersachen dabei haben denn wenige Stunden später kann einem die Sonne mit 30° auf den Kopf scheinen.

Norwegen ist nicht in der EU aber im Schengen Abkommen. Das bedeutet für uns das der gültige Personalausweis reicht. Eine grüne Versicherungskarte dabei zu haben kann nicht schaden, ist aber nicht Pflicht. Wir haben alle eine ADAC plus Mitgliedschaft die uns auf der Tour gut geholfen hat. Da weite Gegenden Norwegens dünn besiedelt sind, kann man es eigentlich ausschließen wichtige Ersatzteile vor Ort zu bekommen. Selbst Reifen zu kriegen ist nicht immer einfach.

Beim Planen der Unterkünfte hatten wir ausgezeichnete Hilfe von Visit Norway, die uns dann an lokale Reisebüros weiter gereicht haben. Die Damen und Herren machen da einen perfekten Job und wir haben ihnen viel zu verdanken. Wer in Hütten übernachtet und ein bisschen sparen will nimmt einen leichten Schlafsack und ggf. ein Reisekissen mit. Vermietet wird in der Regel ohne Bettwäsche, die kostet extra. Ich hatte noch 2 Microfaser Handtücher dabei, die sich als sehr praktisch erwiesen haben. Die trocknen schnell und lassen sich in ihren Beuteln gut verstauen ohne viel Platz zu belegen.

Fast überall spricht man auch englisch. Wir sind damit perfekt durchgekommen.

Norwegen ist eine Reise wert.

Die Reiseroute in der Übersicht

Herunterladen

Alpen Fazit

Schlussbemerkungen zu einer sehr schönen Reise

3700km Alpen in 9 Tagen ist nicht für jeden geeignet. Diese Tour war schon ganz schön anstrengend aber genial. Wenn man wenig Zeit für einen Urlaub hat, muss man alles ein wenig komprimieren. Wir haben es nicht bereut. Wir haben viel gesehen und auf unendlich vielen Kurven unseren Spaß gehabt. Mein Hinterrad ist fertig und ich brauche dringend einen neuen Reifen. Bis auf einen kleine Nagel an Carstens Honda am ersten Tag und Daniels verspannte Gabel hatten wir keine Probleme mit der Technik … wäre da nicht mein Garmin Quest2 Navigations Gerät gewesen.

Als bekennender Technikfan habe ich mir Anfang des Jahres ein Quest2 als Nachfolger meines Quest1 geholt. Das Quest 1 hat Daniel übernommen und auch auf der Tour dabei gehabt – welch ein Glück. Das Quest2 ist ein völliger Griff ins Klo. Das Gerät ist technischer Sondermüll und unbrauchbar. Garmin hat damit eine absolute Frechheit in Sachen Performance und Stabilität abgeliefert. Die Firmware ist völlig Fehlerhaft (V2.8) und das Gerät stürzt im Routing Modus bei etwas längeren Touren alle paar Minuten ab. Es ist eine Qual das Teil benutzen zu müssen. Nach dieser Reise geht es als defekt zurück zum Händler. Der Prozessor des Geräts ist mit dem neuen komprimierten Kartenmaterial CN8 nt+ völlig überfordert und bei Routen mit mehr als eine Handvoll Punkten friert das Display ständig ein. Vorzugsweise bei Abbiegehinweisen oder Annäherungsalarmen. Ich kann vor dem Gerät nur warnen.

Das Quest ist aufgrund seiner Größe ideal für das Motorrad. Daniel hat mit seinem Quest1 keinerlei Probleme. Ich habe beim Quest2 teilweise 20 Resets in Reihe machen müssen eh ich das Gerät dazu bringen konnte endlich mal die Position anzuzeigen, wo wir gerade fahren. Schade ist es um die gute Touratech Halterung, die ich nun über habe, denn das nächste Gerät ist sicher kein Quest mehr. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ohne Navi möchte ich nicht mehr fahren.

Zurück zur Tour. Wie schon erwähnt, haben wir die An- und Abreise per Autozug erledigt. Den sollte man immer in Erwägung ziehen und einfach mal durchrechnen. Es gibt Rabatt als ADAC Mitglied und Last Minute Angebote, die sich durchaus lohnen. Wir haben sehr früh gebucht, sonst hätten wir wegen dem Treffen am Faaker See keinen Platz mehr bekommen. Der Zug war ausgebucht. Wir haben so Benzin und Reifen für 1200km Autobahn gespart und einen Tag gewonnen, da der Zug nachts fährt.

Thema Slowenien: Sprach und Geldprobleme hat man in Slowenien kaum. Wir kamen mit deutsch und englisch überall durch. Auch das Bezahlen in Euro ist Problemlos. Die Slowenen rechnen schon jetzt in Vorbereitung auf die Währungsumstellung mit beiden Währungen. Alles ganz einfach. Mir hat es gefallen. Die Straßen waren in ordentlichen Zustand, wenn man auch vor Überraschungen nicht sicher ist. Die eine oder andere Schotterpiste kann schon mal in abgelegenen Regionen dabei sein, wie wir erfahren mussten. Aber selbst die sind einigermaßen fahrbar, wenn es auch mächtig staubt.

Die Dolomiten: In der Nebensaison für Biker ein Paradies, wenn das Wetter mitspielt. Urlaubszeit ist vorbei und die Straßen sind nicht überfüllt. Wir hatten freie Pässe, kaum Polizei und viel Spaß. Die Unterkünfte in den Skiorten sind extrem günstig (wir haben 31,- Halbpension gezahlt) und auf Biker eingerichtet. Wir konnten unsere Motorräder in einer Garage unterstellen, es gab Sauna und Wirlpool. Ich fand es sehr gelungen.

Zurück in Deutschland wird man von unserer Verkehrspolitik förmlich erschlagen. Die letzten Tage kaum Schilder und nun Limits ohne Ende, jede Kurve angekündigt, Spaßverderber an allen Ecken und Enden. Es ist schon verblüffend, wie einem die Überregulierung hier auffällt, wenn man ein paar Tage woanders unterwegs ist. Eigenverantwortung scheint in Deutschland ein Fremdwort geworden zu sein, hier muss alles vorgeschrieben sein und wenn man Motorradfahrer ist, ist man per se sowieso ein Raser.

Die gesamte Reise in der Übersicht

Herunterladen

Normandie Fazit

Schlussbemerkungen zu einer sehr schönen Reise

Wenn man eine weite Strecke alleine unterwegs ist, kann man über die zurückliegenden Tage nachdenken. Irgendwie fehlt mir das Geknatter von Toms Shadow und der vertraute Anblick von Hans, bolzengerade auf seiner Harley sitzend. Normandie gerne mal wieder, aber lieber außerhalb der Saison. Den militärhistorischen Teil habe ich nun verinnerlicht, jetzt darf es bitte etwas mehr Kultur sein, hat die Normandie doch zumindest was die gotischen Kathedralen und die mittelalterlichen Klöster angeht einiges zu bieten. Den Hafen von Honfleur würde ich gern mal im Morgenlicht fotografieren und den Teppich von Bayeux würde ich mir auch gern mal ansehen.

Schlagartig erwache ich aus meinen Gedanken, als sich meine Tankanzeige meldet und ich bei Kaiserslautern eine Tankstelle ansteure. Vorhin war ich noch mit vollem Tank in Luxemburg, da lohnte der Stopp noch nicht und was jetzt? Ein Liter Normalbenzin 1,444 €? Als ich hier vor einer Woche lang kam lag der Preis irgendwo bei 1,159 €. Das passiert, wenn man eine Woche lang keine Nachrichten mitbekommt und so nicht merkt, dass die Ölkonzernen einen Wirbelsturm als Anlass für massive Preiswucher benutzen.

Aus der geplanten zügigen Rückreise wurde nun eine gemütliche Bummelfahrt die gegen 20:00 wieder in Berlin endete. Und was läuft im TV? Der Soldat James Ryen. Ein paar Tage zuvor haben wir noch an den fiktiven Filmgrab auf dem US Soldatenfriedhof gestanden. Seltsames Gefühl.

Wer sich ein wenig für die Geschichte des 1. und 2. Weltkriegs interessiert kommt bei dieser Tour voll auf seine Kosten. Man kann hier Wochen mit der Besichtigung verbringen.

Stichwort Kosten: Frankreich ist recht teuer aus deutscher Sicht. Ich habe für diese Tour in 8 Tagen rund 1.000,– Euro für Unterkunft, Essen, Eintritt, Maut und Benzin ausgegeben. Keine Mitbringsel (Calvados etc) und keine unnützen Geldausgaben gemacht. Für die Maut gingen insgesamt ca. 30,– drauf.

An den geschichtsträchtigen Orten in der Normandie fühlte ich mich als Tourist willkommen aber als Deutscher nicht immer. Das mag Einbildung meinerseits sein und die Franzosen haben sicher auch allen Grund dazu, aber das ist lange her. Am Mahnmal von Verdun steht die Bronzetafel mit der Aussöhnung von Frankreich und Deutschland und so halte ich es auch.

Verdun - Le Mémorial de VerdunZwischenfälle hatten wir auf dieser Reise keine, sieht man mal von einen abvibrierten Starterkabel an Rudis Harley ab. Bei unserer gemütlichen Fahrweise gab es keine besonderen Vorkommnisse. Das Kabel war dann auch bald auf einer freundlichen Tankstelle repariert.

Dies war meine 2. Frankreich Reise. Die Region Calvados/Normandie hat mir dabei sehr viel besser gefallen als die Ufer der Loire in Zentral Frankreich. Hier in der Normandie sind die Straßen und die Landschaft einfach abwechslungsreicher. Ein kleiner Nachteil für mich als Berliner sind die endlosen Anreisewege. Von Berlin bis zu unserem Stützpunkthotel in Arromanches sind es auf direktem Weg 1.250km und mit dem Umweg über Sinsheim 1.500km. Das ist ein ordentliches Stück Strecke.

Mein Dank gilt allen Mitreisenden und insbesondere Bernd, der diese Tour großartig vorbereitet hat. Ich hoffe, ich sehe euch alle bald mal wieder.

Seite 2 enthält die komplette Reiseroute

Slowakei Fazit

Was es sonst noch erwähnenswertes gibt

Viele Informationen über die Slowakei findet man in der Wikipedia. Dort gibt es einen guten Artikel, der das wesentliche zusammenfasst.

Meine Befürchtungen über eine Reise in den ehemaligen Ostblock erwiesen sich als gänzlich unbegründet. Ich habe das Land und die Leute als sehr offen und Gastfreundlich erlebt. Die Sprache ist zwar nach wie vor unverständlich für mich, aber mit deutsch, englisch, Händen und Füßen ist das kein Problem. Speisekarten sind in fast allen Restaurants mehrsprachig erhältlich. Irgendwie klappt das mit der Verständigung immer.

Apropos Essen. Beim Blick in eine Speisekarte muss man sich an folgendes gewöhnen: grüne Salate sind weitgehend unbekannt. Hier gibt es Kraut- oder Gurkensalat und ähnliches. Auch werden die Gerichte in Einzelteilen mit Gewichtsangaben aufgeführt. Man muss sich in der Regel das Gericht selber zusammenstellen was man essen möchte. Mittags gibt es fast überall einfache Küche mit dem bereits erwähnten Gulasch. Daran kann man sich gewöhnen.

Die Währung ist in beiden Ländern die Krone, aber mit unterschiedlichen Umrechnungsfaktoren und anderem Aussehen. In der Slowakei habe ich mir das Geld aus einem der reichlich verteilten Geldautomaten der Sparkasse gezogen. Ja, wirklich Sparkasse wie bei uns, aber die Bande hat natürlich trotzdem einen saftigen Auslandszuschlag von meinem Konto abgebucht. Sehr ärgerlich.

Seit dem 1.1.2000 muss man bei der Einreise die grüne Versicherungskarte dabei haben. Vergisst man diese und wird kontrolliert, kann die Einreise verweigert werden. Bei Kontrollen im Land kann ein hohes Bußgeld drohen. Aufgrund einer unklaren Gesetzgebung ist auch u.U. der Nachweis über eine Reisekrankenversicherung erforderlich!

Da wir abseits der Hauptverkehrsadern unterwegs waren, sind wir von Blitzern verschont geblieben. In den Städten muss man aufpassen, da in der Slowakei großflächig Tempo 40 getestet wird. Hier sieht man auch ab und zu mal einen Anhalteposten der zügige Fahrer mit seiner kleinen Kelle stoppt.

Wir waren vorsichtig, was den möglichen Diebstahl von Motorrädern betrifft. Während der Nacht waren diese immer eingeschlossen. In der Hohen Tatra standen sie allerdings offen vor dem Hotel. Hier hatten wir keine Bedenken. Während Besichtigungen blieb immer jemand an den Fahrzeugen zurück. Es gab Orte mit hoher Zigeunerdichte und da war doch aufpassen angesagt (wegen dem Gepäck).

Wenn ich hier von Zigeuner spreche, ist das nicht böse gemeint. Bei uns heißt das ja Sinti und Roma aber in der Slowakei ist das anders. Hier gibt es auch teilweise hausgemachte Probleme. So ganz verstanden habe ich die Hintergründe nicht, aber offenbar stellt der Staat Unterkünfte an bestimmten Orten für sie zur Verfügung. Das führt zu Slumbildung wie wir live vor Ort sehen konnten. Bloß nicht mit dem Motorrad stehen bleiben und evtl. sogar fotografieren. Man hat uns davor gewarnt.

Ich würde jederzeit wieder eine Reise in die Slowakei unternehmen. Das Land ist von Tourismus noch nicht überlaufen und die Straßen sind im guten Zustand. Überall sind Trupps zur Erhaltung unterwegs. Abseits der Städte kann man das Land genießen. Eine Fahrt in die Hohe Tatra von Berlin aus über Polen ist auch nicht besonders weit. Nur knapp 650km und man ist vor Ort. Das wussten zu Zeiten der DDR auch schon die Deutschen zu schätzen und verbrachten dort ihren Urlaub.

Die gesamte Tour in der Übersicht