BlueBike XL

BlueBike – Bluetooth für den Helm

BlueBikeWir leben einer multimedialen Welt und der Wunsch auch auf dem Motorrad das eine oder andere Gerät nutzen zu können steht bei vielen Fahrern auf der Wunschliste. Früher war das immer ein elendes Gestöpsel und die Kabel hingen irgendwo rum. Die Einbauten im Helm waren auch nicht besonders schön. So bin ich nun hocherfreut das BlueBike IN System testen zu können. Es handelt sich hierbei um einen kabellosen Einbau in den Helm, der es erlaubt viele Geräte in Stereo per BlueTooth (BT) zu verbinden, mit einem Sozius zu reden oder mit einer ganzen Gruppe, die das System auch einsetzt (Teamtalk). Und das Ganze ohne zusätzliche Einbauten im Motorrad. Alles was man braucht ist im Helm untergebracht.

BlueBike in HJC Helm beim laden

Zum Anfang muss ich sagen, das Technik für mich keine Magie ist und ich mit allen modernen Geräten intuitiv klar komme. Deshalb fällt es mir nicht schwer mich in das BlueBike IN einzuarbeiten. Es wird quasi als Plug&Play Lösung angeboten, was es generell auch ist, aber es erspart einem nicht die Anleitung zu lesen und vor der ersten Fahrt am besten auf dem Schreibtisch ein paar Trockenübungen zu machen um die Handhabung zu verinnerlichen. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Geräteauswahl der zu verwendenden Zuspielgeräte. Nicht alles, wo BlueTooth drauf steht eignet sich mit allen Funktionen. Vor Überraschungen ist man hier leider nicht sicher, was aber im BT System selbst begründet ist. Die BlueBike Anlage kann hierfür nichts. Am besten ist es vor dem Kauf alles zusammenzutragen und beim Hersteller nachfragen, ob das überhaupt geht und ob irgendwo mit Einschränkungen gelebt werden muss. Besonders bei älteren Geräten aus der Anfangszeit der BT Technik kann man Überraschungen erleben. Firmwareupdates für die Oldies gibt es meist leider nicht mehr und so hilft hier nur moderner Ersatz, der den gültigen Standard einhält.

BlueBike Bedienelemente

Das System wird vom Hersteller in den Helm eingebaut. Es ist fast unsichtbar nach dem Einbau. Man hat an der linken Seite des Helms 4 Gummitasten, die sich auch mit Handschuhen bedienen lassen. Dazu ein Mikrofon mit Schwanenhals, was sich gut positionieren lässt. Hinten unter dem Helmfutter befindet sich das Ladekabel um den Akku mit einer Laufzeit von 15-20h nach der Tour wieder zu laden. Die Bedienung erfolgt über die 4 Tasten und Sprachsteuerung. Verarbeitung und Lieferumfang sind sehr gut. Praktische Idee: Eine Kurzanleitung im Kugelschreiber zum Ausziehen. Die Ladung des Akkus erfolgt über einen Ladeadapter mit 12V. Ein 230V Adapter und verschiedene Stecker für Bord Steckdosen liegen bei. So sollte jeder eine Möglichkeit finden den Akku auch unterwegs laden zu können.

BlueBike Ladeadapter und Mikrofon

Bei der Inbetriebnahme gilt es erst einmal die Geräte zu verbinden (pairen). Wer sich mit seinem Navi und Handy auskennt, hat damit eigentlich keine Probleme, das geht mit der kurzen BlueBike Anleitung problemlos. Schon nach Sekunden kann z.B. das Handy Musik in den Helm liefern. Hier lauert der erste Fallstrick: damit Musik in Stereo übertragen werden kann und gut klingt, muss das Gerät das BT Protokoll A2DP unterstützen. Fehlt das, wie z.B. beim Garmin Zümo 550 (Baugleich mit BMW Navigator III) wird man eine Enttäuschung erleben. Man hört Musik und Navi Ansagen, aber nur in Monoton und Telefonqualität. Das ist aber kein Mangel der BlueBike IN sondern liegt am zuspielenden Gerät. Wir haben es mit einem älteren Garmin Zümo 550 ausprobiert. Eine Lösung in diesen Fällen ist es, das Navi nicht mit BT zum Helm zu koppeln sondern am analogem Audio Ausgang des Navi ein BT Audio Dongle (gibt es auch bei BlueBike als Zubehör) zu installieren. Anschließend wird das Dongle mit dem Helm gekoppelt und schon klappt es mit gutem Sound. Das Handy wird dann ganz normal mit dem Zümo gepaired um die Telefonfunktion über das Navi zu nutzen.

Diese Lösung mit dem Audio Dongle ist die flexible Lösung für alle Geräte mit analogen Ausgang. Ich muss so was in Verbindung mit meinem alten Garmin GPSmap278 einsetzen, da dieses Gerät gar kein BT hat. In diesem Fall wird das Dongle und das Handy jeweils separat mit dem Helm gekoppelt, was problemlos möglich ist da er über mehrere Kanäle verfügt. Wer sich ein Dongle zulegt und plant das am Motorrad fest zu verbauen muss darauf achten ein Gerät zu bekommen, das auch dann funktioniert wenn es mit externer Spannung betrieben wird. Viele Fern-Ost Dongles stellen den Funkbetrieb beim Laden des Akkus ein. Das BlueBike Dongle (Sennheiser) funktioniert aber sowohl im Akku- als auch im Ladebetrieb. Das erklärt auch den kleinen Preisunterschied.

Wenn man seine Geräte nun verbunden und sich mit der Bedienung vertraut gemacht hat kommt als nächstes die Wahl ob man Solo, mit Sozius im Gegensprechbetrieb fährt oder mit einer Gruppe unterwegs ist. Der Gruppenmodus (Teamtalk) erlaubt eine Verbindung von einem Sprecher zu allen Zuhörern, um so Anweisungen durch zu geben. Auslösen kann man so eine Durchsage mit Tastendruck oder Sprachgesteuert (VOX genannt). Es bleiben dann 15 Sekunden für das Sprechen (Umschaltbar auf dauerhaft offenen Kanal). Solange sind alle anderen blockiert und können nur zuhören oder weg drücken. Hier lohnt es sich auch vor der Abfahrt ein paar Trockenübungen zu machen, denn bei unserem ersten Test hat sich raus gestellt das manche Dinge nicht so ganz einfach sind. Wir hatten ein paar Hindernisse auf dem Weg im Zusammenspiel der gesammelten Handys, Navis und Helme in Verbindung mit dem Teamtalk und den Funkkanälen. Hier müssen wir in unserer Gruppe noch ein wenig Feintuning betreiben damit alles zusammen passt. Aber wie gesagt, das übliche BT Problem da jeder Hersteller irgendwo sein eigenes Süppchen kocht obwohl eigentlich alles genormt sein sollte. Da hat es eine Universelle BT Kommunikationsanlage nicht leicht.

Ich möchte an dieser Stelle noch eine kleine Abschweifung in die Technik machen um ein paar Möglichkeiten zu erläutern, die man beim BlueTooth hat. Beim Handy gibt es je nach Modell die Möglichkeit ein ‚Headset‘ zum Freisprechen zu verbinden. Dieser Headsetmodus, auch HandsFree genannt, dient nur zum Telefonieren. Es gibt Bedienmöglichkeiten zum Abheben, Auflegen und wählen und Zugriff auf das Telefonbuch kann möglich sein. Weitere Audiofunktionen des Handys werden nicht unterstützt. Musik und HandyNavi, soweit vorhanden, bleiben stumm. Damit man auch diese hört benötigt das Handy eine Unterstützung für Audiowiedergabe per BT, am besten im erwähnten A2DP Format. Bei meinem Smartphone ist es so, dass nach der BT Aktivierung 2 BT Dienste zur Verfügung stehen, die beide separat gesteuert werden können. Die BlueBike IN Anlage akzeptiert beide Funktionen meines HTC HD2. Auch ein iPhone macht keine Probleme. Bei Navigationsgeräten ist es meist so, das diese als Freisprecheinrichtung für das Handy genutzt werden können (HandsFree Ziel). Musik vom Handy nimmt das Navi nicht da meist im Navi selbst ein Musikspieler enthalten ist.

Hat man eine solche Handy -> Navi -> Helm Koppelung ergibt sich eine etwas andere Bedienung der Anlage als wenn man Handy -> Helm und Navi (mit Dongle) -> Helm verbindet. Im Ersten Fall steuert die BlueBike nur das Navi mit den Möglichkeiten die das Gerät anbietet. Im zweiten Fall kann die BlueBike das SmartPhone komplett steuern und die Ansagen des Navis einblenden. Was man nun wie macht richtet sich einfach nach den Möglichkeiten der Geräte. Die BlueBike IN ist da recht flexibel und kann eine Möglichkeiten der angeschlossenen Geräte nutzen. Aber nicht immer geht es so, wie man sich das vorher denkt und dann muss man lernen wie man trotzdem die gewünschte Funktion erreicht. Aber niemand sollte sich abschrecken lassen, so schwer ist das nicht. Und jetzt geht es zur ersten Ausfahrt.

Update 2013

Der Winter will nicht enden und so ist Zeit für Rückblicke und Trockenübungen. Nach unserer Norwegen-Reise waren nur noch kleinere Touren in Brandburg angesagt. Die Anlage arbeitet meist reibungslos aber nicht immer 100% perfekt. Aufgrund nicht erklärbarer Phänomene wurde die Anlage im Helm letztes Jahr ausgetauscht um der Ursache auf den Grund zu gehen. Der Hersteller war sehr bemüht mir da Hilfestellung zu leisten. Irgend etwas im Zusammenspiel meiner Geräte hat, möglicher weise ausgelöst durch externe Störquellen im 2,4GHz Band, zu seltenen Fehlfunktionen geführt. In diesem Frühjahr werden wir nun sehen was passiert. Ich bin da recht optimistisch das mir ein ungetrübtes Multimedia Vergnügen bevorsteht.

Die BlueBike Anlage wurde vor dem Einlagern des Helms noch einmal aufgeladen. Lithium basierende Akkus mögen es nicht wenn man sie leer lagert. Nach über 4 Monaten Wetterpause zeigt der Akku sich ziemlich unbeeindruckt und ist noch immer nahezu voll. Der Ladeversuch war bereits nach kurzer Zeit beendet. Der eigentliche Grund, warum der Helm nun vor mir auf dem Tisch steht: ich habe neue Geräte mit BlueTooth zum testen bekommen.

Mit diesem modernen Navi ist es fast ein Kinderspiel die Kopplung mit der BlueBike herzustellen. Bei meinen Trockenübungen auf dem Schreibtisch funktioniert alles perfekt. Die Praxis wird zeigen ob das so bleibt. Bislang klappt jede Funktion, die ich teste und auch das wieder verbinden nach dem Ausschalten klappt wie es sein soll.

Im Jahr 2014 gibt es eine kleine Änderung im Namen: aus der BlueBike IN wird die BlueBike XL. Ältere IN Anlagen können ein Firmware Update erhalten was sie zu einer XL macht aber ohne die technischen Features der neuen aktuellen XL Hardware.

4 Antworten auf „BlueBike XL“

  1. Hallo

    Bin durch Zufall auf deine Seite gestossen und habe mich mal ein bisschen „durchgelesen“.
    Ich finde du machst das Super, die Seite ist übersichtlich, deine Artikel sind interessant und nicht langweilig geschrieben.
    Ich werde mich hier sich öfters aufhalten.
    Also weiter so

    Ich möchte dich aber noch fragen ob du immer nach das BlueBike Headset benutz und ob deine Probleme jetzt weg sind.

    Liebe Grüsse

    Marc

    1. Hallo Marc,

      es freut mich zu lesen, das Dir meine Seiten gefallen.

      Die BlueBike IN habe ich noch immer im Einsatz und frisch aus der Reparatur erhalten. Die Verklebung der Tasten hat sich wohl durch Wärmeeinwirkung leicht gelöst und dann kam eine heftige Regenfahrt wo Wasser durch den Spalt eingedrungen ist, der dummerweise genau in Fahrtrichtung lag. Dabei ist mir der Off-Microtaster kaputt gegangen (oxydiert etc). Ich habs es bei Votronic reparieren lassen. Der Austausch des Bedienfelds ging ruck-zuck (mit hin-und her Versand eine Woche), professionell durchgeführt und alles in allem mit knapp 60€ auch preiswert. Jetzt geht die Bedienung wieder einwandfrei. Mal ein dickes Lob an den Hersteller.

      Weitere praktische Erfahrung folgt in den nächsten Tagen, da ich nun auch mein neues Samsung Galaxy S4 mini mit der BlueBike ausprobieren werde. Mal sehen, wie sich hier die Kopplungen vollziehen. Bei meiner alten Lösung mit dem HTC liegt es nur an der Reihenfolge wie man alles einschaltet. Dann ist die Verbindung sehr stabil. Was mit dem S4 passiert und ob ich die BlueBike mit dem Cardo G9 verbinden kann, werde ich auch testen. Ich kann mir vorstellen, dass das sicher den einen oder anderen interessiert.

      Vorab bleibt aber zu sagen: In Sachen Sound, und Lautstärkeanpassung ist die BlueBike weit vor dem Cardo G9. Da liegen Welten dazwischen. Ich werde in den nächsten Tagen dann einen weiteren Kommentar schreiben wenn ich mein Handy getestet habe.

  2. Ich bin endlich mal dazu gekommen meine BlueBike nach dem Update auf Firmware 4.85 wieder zu benutzen, nachdem ich in letzter zeit mit dem Cardo Rider G9 gefahren bin. Das erste was auffällt ist die Umbenennung von BlueBike IN nach BlueBike XL. Mit dem Update gab es ein paar kleinere Bedienungs-Änderungen, die man auf der Homepage nachlesen kann.

    Das koppeln von einem Samsung S4 mini und dem TomTom Rider 2013 geht sofort und problemlos. Zuerst das Handy als Gerät 1 koppeln, dann auf dem Handy die Telefonie-Kopplung deaktivieren und nur Multimedia an lassen. Das soll ja zum Helm nur Musik in Stereo streamen. Dann das TomTom als Gerät 2 zum Helm verbinden. Hier muss man beim Rider wie immer mehrere Versuche starten, aber mit etwas Geduld klappt das. Die Verbindung vom TomTom zum S4 steht nach wie vor, daran habe ich nichts geändert.

    Beim Einschalten der Geräte gilt aber nach wie vor: die Reihenfolge ist nicht ganz unwichtig. Mich beschleicht hier der Verdacht, dass das Tomtom an der Sachlage nicht ganz unschuldig ist. Zuerst Handy an, dann BlueBike. Warten das die Kopplung zustande kommt und ggf. auf dem Handy noch mal nachsehen ob wirklich nur Multimedia verbunden ist. Ich habe schon erlebt, das sich die Handsfree Funktion zusätzlich von alleine aktiviert hat. Sollte dem so sein, deaktivieren. Jetzt das TT einschalten und der Helm sollte nach kurzer Zeit melden das Gerät 2 verbunden ist und auf dem Display verschwinden die beiden durchgestrichenen Symbole.

    Der Sound der BlueBike ist im Vergleich zum G9 um Klassen besser.

  3. Noch mal eine kleine Ergänzung zur Einschalt-Prozedur, die sich bei mir in der Praxis ergeben hat.

    Zuerst Handy an bzw BT aktivieren. Dann bekommt das TomTom Strom und ich warte bis es sich mit dem Handy koppelt. Danach mache ich die BlueBike an. Es dauert einen kurzen Augenblick und das TomTom verbindet sich mit der BlueBike (als Handy 1), aber das Handy meldet sich nicht (als Handy 2).

    60 Sekunden nachdem sich sich das TomTom gemeldet hat drücke ich an der BlueBike kurz die On-Taste, was eine Verbindung zum Handy initiiert und es meldet sich. Das Handy zeigt jetzt in der BT Verbindungsübersicht eine gekoppelte Medienwiedergabe und spielt ab jetzt auch die Musik.

    Bei meinem Samsung S4 kommen jetzt auch Systemereignisse und bestimmte Statusmeldungen von Apps durch, was sehr praktisch bei bestimmten Info-Diensten ist.

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